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Beschreibung

Man gelangt von Westen her durch den Haupteingang im unteren Turmgeschoss in den Vorraum der Kirche. An der linken Wand beeindruckt den Besucher eine Kreuzigungsgruppe mit fast lebensgroßen Figuren. Sie stammen von einem unbekannten Künstler und standen früher in der „Offenen Kapelle“ auf dem Kreuzberg über der Stadt. Gegenüber schwebt eine von Leo Samberger 1899 gemalte Maria dem Himmel zu. Bis 1979 befand sich das Bild im Hochalter der Marienkapelle. Es handelt sich hierbei um eine Kopie nach einem Gemälde des berühmten spanischen Malers B. Murillo (1617-1682). Das Original befindet sich im „Prado“ in Madrid.

Durch einen mächtigen gotischen Bogen gelangt man in das auffallend breite Langhaus. Richtet man den Blick nach oben, so erkennt man eine Holzdecke aus langen, gekehlten Bohlen. Die Konstruktion, die ohne Mittelstütze auskommt, ist mit Eisenbändern im Dachstuhl befestigt. Über den Altarraum spannt sich ein Tonnengewölbe aus dem Jahre 1688, das in 86 Kassetten gegliedert ist. Diese äußerst seltene Deckengestaltung aus der Renaissancemode wurde bei der Restaurierung 1979 von einem gelblichen Anstrich befreit. Zum Vorschein kam eine originelle Bemalung der Felder mit bäuerlich anmutenden Engelsköpfen und Ornamenten.

Eine wuchtige Holzempore an der Rückwand des Hauptraumes reicht auch an der linken und rechten Seitenwand weit in das Langhaus hinein. Sie wird von gekerbten Holzsäulen getragen. Die Empore zeigt in Feldern Christus und die Apostelköpfe. Während der Maler unbekannt blieb, weist eine Inschrift rechts vorne auf den Stifter hin: „Georg Richter, Ratsherr, Kanther und Schuemacher allhür 1687“. Der rechte Teil der Empore trägt die Orgel, die 1896 neu installiert wurde.

Auf dem Vorgängerinstrument musizierte der Ebermannstädter Kantor und Rektor Frantz Melchior Freytag, der Schöpfer der bedeutenden „Ebermannstädter Liederhandschrift“, einer Sammlung barocken Liedgutes um 1750. Ein kleines Brunnendenkmal am Kapellenplatz ist seinem Gedächtnis gewidmet. Die Figur wurde 1999 von Harro Frey geschaffen.

Der spätbarocke Hochaltar und die Seitenaltäre wurden 1740 von dem Kunstschreiner F. A.Thomas (Böhm) gefertigt, die Figuren werden Georg Reuß und seiner Bamberger Werkstatt zugeschrieben.

Im Aufsatz des Hochaltars gruppieren sich um eine goldene Weltkugel Gottvater und Sohn, darüber der Heilige Geist. Engel umgeben die hl. Trinität. Vier marmorierte hohe Säulen mit Kompositkapitellen tragen darunter das gegliederte Gesims.

Im Mittelpunkt der ganzen Altararchitektur zeigt das Altarblatt eine Szene aus dem Marienleben. Die jugendliche Maria steht vor ihrer sitzenden Mutter Anna und hält ein geöffnetes Buch in der Hand. Der Vater Joachim blickt über die Schulter seiner Frau auf die Tochter. Es handelt sich hierbei um eine seitenverkehrte Kopie des berühmten Gemäldes von Peter Paul Rubens (1577-1640) „Erziehung der Jungfrau“. Das Original befindet sich im „Museum der schönen Künste“ in Antwerpen.

Links und rechts stehen zwischen den Säulen die überlebensgroßen Figuren des hl. Joachim und der hl. Anna. Über dem Tabernakel ruht, von Strahlen umgeben, das Opferlamm auf dem „Buch der sieben Siegel“. Auffällig erscheinen die weitausschwingenden floralen rokokohaften Goldornamente an den Altarseiten.

An der Wand kann man neben dem Hauptaltar noch zwei Apostelkreuze erkennen als Reste der früheren gotischen Raumgestaltung.

Links neben dem Hauptaltar zeigt sich einer der alten Ebermannstädter Ortspatrone, St. Sebastian, von Pfeilen durchbohrt (um 1800). Diese feingliedrige, sehr jugendliche Gestalt belegt Friedrich Theilers sichere Beherrschung der Anatomie des menschlichen Körpers, sowie sein Streben nach ästhetischer Gestaltung. Unter der Figur werden in der Wand die Umrisse des alten Sakramentshäuschens erkennbar, das man nach der Zerstörung 1796 nicht mehr erneuert hat. Gegenüber weist der Christustäufer Johannes, ebenfalls geschaffen von Friedrich Theiler, mit der Hand auf das Lamm zu seinen Füßen.

Über der marmorierten Kommunionbank befinden sich links und rechts an der Wand zwei Figurengruppen, die jedenfalls aus der Zeit vor Theiler stammen. Links die hl. Anna lehrt Maria das Lesen, rechts ein Vesperbild.

Der linke Seitenaltar präsentiert die bekannteste Figur von Friedrich Theiler, die „Ebermannstädter Strahlenmadonna“. Eine jugendliche Maria, gekrönt und mit Zepter, schreitet, von einer Gloriole umgeben, über die Mondsichel. Auf ihrem linken Arm sitzt das segnende Jesuskind mit einer goldenen Weltkugel. Dieses apokalyptische Motiv hat Theiler in Abwandlungen mehrmals gestaltet. Die Ebermannstadter Fassung (um 1800) soll nach der Überlieferung die Züge einer jungen Mitbürgerin tragen.

Die kleinen Figuren der hl. Barbara und des hl. Johannes stammen aus einer früheren Ausstattung der Kapelle.

Der rechte Seitenaltar zeigt als Mittelfigur den hl. Josef, auf dem linken Arm den Jesusknaben haltend. Die unterschiedliche künstlerische Qualität zwischen Josef und dem Kind ist dabei augenfällig. Die schwungvoll vorgestellte Josefsfigur erweist sich als echtes Theilerwerk; aus einer früheren Ausstattung könnte dagegen der Knabe stammen, dem man bei der großen Restaurierung neu positionieren musste. Die beiden Seitenfiguren, St. Johannes d. T. und der Apostel Paulus, werden Georg Reuß zugeschrieben.

Besondere Aufmerksamkeit zieht die Kanzel auf sich. Der schön ausgeformte Korb von A.T.Thomas (Böhm) wurde von Theiler mit vier sehr ausdrucksvollen Kleinplastiken der Evangelisten auf den Voluten ausgestattet. Die bewegten Figuren sind nicht wie gewohnt als Schreiber, sondern als meditierende Verkünder gestaltet. Platzmangel war wohl der Grund dafür, dass Theiler den mit klassizistischen Attributen versehenen offenen Beichtstuhl als Unterbau für die Kanzel konzipierte. Diese Anordnung ist eine ganz ungewöhnliche originelle Lösung.

Die Kreuzwegstationen malte 1979 Anton Bischof.

Der traditionsreiche Bau mit seiner wertvollen, in sich harmonisierenden Innenausstattung bewährt sich heute wie in früheren Zeiten als beliebte Hochzeits- und Festkapelle sowie als intimer Gebetsraum der Gläubigen.

Weitere Informationen

Literatur

  • H. Hübschmann, Die Marienkapelle, in: Heimatbuch Ebermannstadt, Ebermannstadt 1973.
  • J. Ismaier, L. Brüttimg, Marienkapelle Ebermannstadt, Faltblatt 1980.
  • H. Mayer, Kunst des Bamberger Umlandes, Bamberg 1955.
  • P. Poscharsky, Die Kirchen der Fränkischen Schweiz, FSV Bd.6, Erlangen 1990.
  • K. Sitzmann, Künstler u. Kunsthandwerk in Oberfranken, Kulmbach 1983.
  • E. Döttl, T. Welzbacher, Die Heiligen des F. Theiler, FSV Bd.12, Erlangen 1998